Europe Top 16: Solja muss Finale verletzt aufgeben / Bärenstarke Winter Dritte

Petrissa Solja spielte ein Turnier nach Maß konnte sich aber nicht mit dem erhofften Turniersieg beim Europe Top 16 Cup an der  belohnen. Stattdessen musste die Berlinerin im Finale gegen die Niederländerin Li Jie verletzt aufgeben. Bärenstark zeigte sich auch Sabine Winter, die nach Platz sechs im Vorjahr diesmal aufs Treppchen stürmt und mit Bronze heimkehrt. Mit ihren Medaillengewinnen sicherten sich die DTTB-Asse zudem direkte Startplätze beim World Cup im Oktober.

Solja bezwingt erstmals Liu Jia, aber muss Finale aufgeben

Europe Top 16 Cup: Sabine Winter und Petrissa Solja, Deutschland | Damen Tischtennis-Bundesliga

Strahlende Gesichter bei der Drittplatzierten Sabine Winter und der Zweitplatzierten Petrissa Solja (Foto: ITTF | fb.com/ittfworld)

Grenzenlose Enttäuschung bei Petrissa Solja: Die Weltranglisten-15. musste nach Rang drei 2014 und Platz zwei 2015 beim Anlauf auf ihren ersten kontinentalen Titelgewinn im Einzel das Endspiel gegen die Niederländerin Li Jie verletzt aufgeben. Der Berlinerin fuhr im dritten Satz gegen die Abwehrspielerin bei einem Vorhandtopspin ein heftiger Schmerz in den Schlagarm. Solja nahm sich daraufhin die ihr zustehende Verletzungspause und ließ sich von Physiotherapeut Peter Heckert behandeln. Doch weder das Tapeband noch der beste Wille halfen lange weiter: Nach dem vierten Satz entschied sich die Deutsche zur Aufgabe und erklärte anschließend tief enttäuscht: „Schon vor der Verletzungspause habe ich gespürt, dass sich der Muskel langsam zuzieht. Ich habe es dann noch einmal versucht, aber ich konnte kaum den Schläger halten und nicht einmal mehr ordentlich Rückhand spielen.“ Für Solja war die Situation ein unangenehmes Déjà-vu-Erlebnis: „Schon bei der EM in Jekaterinburg 2015 ist mir gegen Li Jie im Viertelfinale das gleiche passiert.“Ein Match zuvor hatte Petrissa Solja nach dem 4:1-Halbfinalerfolg über die Österreicherin Liu Jia allerdings noch über das ganze Gesicht gestrahlt. Erstmals überhaupt gelang der Word-Cup-Dritten von 2015 ein Sieg über eine der gewieftesten Taktikterinnen im Welttischtennis. „Das letzte Mal hatte ich gegen sie im Finale des Europe Top 16 in Baku 2015 gespielt“, sagte Solja nach dem Match, „seitdem habe ich mich ein gutes Stück verbessert. Der Sieg war an der Zeit.“ In der Tat hatte Liu Jia keine Chance gegen die platzierten Bälle der Deutschen, die das Match unter Kontrolle hatte. Solja hatte sich an den beiden ersten Turniertagen aller Aufgaben souverän entledigt. Im Viertelfinale blieb die Rumänin Bernadette Szcos ebenso chancenlos wie zuvor in den Gruppeneinzeln die Schwedin Matilda Ekholm und Frankreichs Talent Stephanie Loueuillette. Lediglich die ukrainische Abwehrspielerin Tetyana Bilenko hatte Solja im Auftakteinzel über fünf Sätze gefordert.

Für Sabine Winter geht ein Traum in Erfüllung

Sabine Winter, Deutschland | Damen Tischtennis-Bundesliga

Sabine Winter zeigte sich trotz langwieriger Schulterprobleme bärenstark (Foto: ITTF | fb.com/ittfworld)

„Ich kann es kaum fassen. Schon mit einer gesunden Schulter hätte ich für ein solches Abschneiden nur eine fünf- bis zehnprozentige Chance gesehen. Und in der jetzigen Situation ist es einfach nur ein Traum!“ Die seit Monaten von Schulternproblemen geplagte Sabine Winter, die immer wieder ihren Trainingsrhythmus hatte unterbrechen müssen und das Turnier vor allem mit Hinblick auf die Weltrangliste bestritt, zeigte sich nach dem 4:3-Erfolg über die Weltranglisten-14. Liu Jia im dramatischen „kleinen Finale“ um den dritten Platz von ihren Gefühlen überwältigt. Vergessen war die 2:4-Niederlage aus dem Halbfinale gegen die Niederländerin Li Jie, gegen die Winter den letzten Vergleich gewonnen hatte: „Dieser dritte Platz entschädigt für alles und ist einfach nur perfekt.“
Die Doppel-Europameisterin aus Kolbermoor hatte gegen die an Position zwei gesetzte Österreicherin bereits in der Gruppe nur knapp mit 2:3 verloren, aber im Match um Platz drei wurde es für die Vorjahressechste noch einmal schwerer. „Sie hat etwas anders gespielt, die Bälle etwas kürzer geblockt, so dass ich nicht immer gut zum Ball stand. Dafür habe ich ihre Aufschläge etwas besser retourniert als im Gruppenspiel.“ So machte die Ex-Europameisterin aus einem 1:3-Satzrückstand noch ein 3:3 und schien auch in der Endphase des Entscheidungssatzes auf der Siegerstraße, als Sabine Winter sich im Endspurt noch den 11:9-Erfolg und die Bronzemedaille sicherte.

Gestern hatte sich Winter im Viertelfinale gegen Ungarns routiniertes Aushängeschild Georgina Pota (ttc berlin eastside) durchgesetzt und in der Gruppenphase Barbora Balazova (TUSEM Essen/Slowakei) und Polina Mikhailova (Russland) bezwungen: „Ich freue mich riesig über meine Leistung und habe bei diesem Europe Top 16 richtig gut gespielt. Damit durfte ich angesichts der Probleme mit meiner Schulter nicht rechnen. Aber ich fühle mich sehr gut und spiele hier auch mit meiner Rückhand stark. Wenn die Bilanz meiner Schulterverletzung dazu führt, dass sich meine Rückhand weiter so deutlich verbessert, dann kann man der Sache auch etwas gutes abgewinnen. Ich muss jetzt sehen, dass die Schulter so schnell wie möglich wieder in Ordnung kommt.“

© TSM Tischtennis Sport + Marketing, DTTB