BL: Der ttc berlin eastside behält seine weiße Weste

Der ttc berlin eastside hat sich beim TSV Schwabhausen dank seiner leistungsstarken Trainerin Irina Palina knapp vor dem ersten Punktverlust gerettet. Ohne die erkrankte Petrissa Solja und verletzte Georgina Pota war der Sieg in Bayern kein Kinderspiel. Palina gewann zweimal in fünf Sätzen. Sabine Winter und Kristin Silbereisen vom SV DJK Kolbermoor setzten Gastgeber TTV Hövelhöf quasi im Alleingang schachmatt. Und der TUSEM Essen jubelte nach einem mehr als dreistündigen Krimi gegen die TTG Bingen/Münster-Sarmsheim, denn der zweite Tabellenplatz konnte verteidigt werden.

TSV Schwabhausen – ttc berlin eastside 3:6

Irina Palina gewinnt die entscheidenden Einzel

Shan Xiaona, ttc berlin eastside | Damen Tischtennis-Bundesliga

Auf Shan Xiaona kann sich der ttc berlin eastside verlassen (Foto: Holger Straede)

Tabellenführer ttc berlin eastside hat Gastgeber TSV Schwabhausen die Freude auf die Superstars verdorben, denn die Deutsche Meisterin Petrissa Solja fehlte ebenso wie Georgina Pota. „Dafür gab es auch triftige Gründe, denn ich bekam noch eine kurzfristige Absage. Petrissa erwischte eine Grippe, und Gina klagte über Rückenschmerzen. Das habe ich in 15 Jahren noch nicht erlebt, dass mir inclusive meiner Person nur drei Spielerinnen zur Verfügung standen“, berichtete Palina erschöpft. Denn die Tortur wollte auch nach dem Spiel kein Ende nehmen. „Wir sitzen auf dem Bahnhof und der Zug fährt wegen einem Leitungsschaden nicht. Dabei möchte ich nur nach Hause. Ich habe um 23 Uhr gestern noch eine Ersatzspielerin besorgt, sie von zu Hause abgeholt. Ich bin seit zwei Uhr auf den Beinen“, ergänzt die Trainerin müde. Die Nummer acht der Reserve Arina Spektor gab ihr Erstligadebüt. Palina übernahm die Position drei.

Beim TSV präsentierte sich die 25-jährige Andrea Welz bei ihrer Saisonpremiere gegen den versierten Coach Palina glänzend aufgelegt. Welz brachte ihre 20 Jahre ältere Gegnerin beim 11:9, 6:4, 7:11, 8:8, 8:11, 11:5, 5:11 phasenweise ganz schön ins Schwitzen. Doch letztendlich fand Palina nicht nur für ihr Team, sondern auch für sich selbst die richtigen Taktiken. Denn nach einer kurzen Verschnaufpause musste Palina schon zum zweiten Einzel an Tisch. Wie konditionell fit und nervenstark die ehemalige russische Damen-Nationaltrainerin immer noch ist, bekam abschließend Feierabend zu spüren. Beim 11:9, 8:11, 7:11, 11:3, 9:10 aus Sicht der Nummer drei wäre ein sensationelles 5:5 nicht unrealistisch gewesen, denn Welz war gegen Spektor bereits kurz vor der Ziellinie. Mit 11:9 markierte die Berlinerin jedoch den Siegpunkt. „Wir waren schon erstaunt, wer vom ttc anrückte. Dass diese Mannschaft bei uns gewann, bürgt für deren Qualität. Andrea durfte sich über einen gelungen Einstand trotz der Niederlage freuen. Christina ließ ein 6:3 im dritten Satz gegen Palina ungenutzt, die wertvolle Punkte für unsere Gäste verbuchte“, resümierte TSV-Pressesprecher Harald Dannhauer. „Ich habe das eigentlich gar nicht mehr alles so wahrgenommen. Wir hatten Glück im Unglück. Morgen tun mir sicher alle Knochen weh“, sagte Palina aber letztendlich froh über ihre Erfolge.

Auch die ttc-Spitze definierte sich mit Shan Xiaona und Yui Hamamoto neu. Der japanische Neuzugang der Berlinerinnen war bislang im hinteren Paarkreuz eher unterfordert. Die 16-Jährige kam mit dem Abwehrspiel von Yang Ting überhaupt nicht klar und unterlag 0:3. Gut, dass sich die Nummer 17 der Weltrangliste Shan dem erhöhten Erfolgsdruck gewachsen zeigte. Im Doppel mit Hamamoto und mit einem 3:1 gegen Chantal Mantz verhinderte die Nummer eins einen Rückstand. Im vierten Satz ließ sich die mehrfache Mannschafts-Europameisterin auch von einem 1:6 nicht schocken, sondern verschärfte zum 11:7 das Niveau. Ähnlich gestaltete die Penholderakteurin das Spitzeneinzel mit 12:10, 12:10 gegen Yang. Shan drehte im ersten Abschnitt ein 4:7 und 9:10, im zweiten Durchgang reichte ein 7:3, 8:10 immer noch. Im dritten Satz ließ der Widerstand der Defensivspielerin nach, sodass ein 11:6 die 4:3-Führung bescherte. Hamamoto erhielt für ihre 3:0-Hausaufgabe gegen Mantz dann vier Sternchen. „Die Leistung von Tinka gegen Hamamoto war schon klasse. Dafür verzweifelte Chantal an der Japanerin. Auch ihre Gesten verrieten, dass sie nicht wusste, was sie machen sollte. Tinka agierte in den wichtigen Momenten gegen Shan nicht zwingend genug. Der Deutsche Meister wackelte, aber leider nicht genug“, erklärte Dannhauer.

Den dritten TSV-Punkt fuhr Feierabend pflichtgemäß gegen Spektor ein.

TUSEM Essen – TTG Bingen/Münster-Sarmsheim 6:4

Barbora Balazova und Su Yan punkten doppelt

Die Partie zwischen dem TUSEM Essen und der TTG Bingen/Münster-Sarmsheim verlief von Beginn an ausgeglichen, auch die vermeintlichen Schlüsselspiele gingen 1:1 aus. Barbora Balaozova behauptete sich gegen Ding Yaping nach einem 2:0-Vorsprung noch knapp mit 11:9 im fünften Durchgang. Die Slowakin erhielt wieder einmal eine Kostprobe mit welcher kämpferischen Leidenschaft und Finesse die Abwehrspezialistin ausgestattet ist. Nach einem 10:6 geriet die Linkshänderin auch im Entscheidungssatz kurzfristig unter Druck. Im Gegenzug erspielte Hana Matelova ein 4:11, 12:10, 11:4, 13:11 gegen Nadine Bollmeier. Die tschechische Meisterin vereitelte insgesamt vier Satzbälle der TUSEM-Spitzenspielerin.

Su Yan, TUSEM Essen | Damen Tischtennis-Bundesliga

Su Yan vom TUSEM Essen trägt maßgeblich zum Erfolg bei (Foto: Holger Straede)

Im hinteren Paarkreuz scheiterte Wan Yuan nach einer Aufholjagd gegen Su Yan letztendlich noch klar mit 4:11 im fünften Satz. Für die Dritte beim Europe Top-10 der Mädchen ergab sich dafür zusammen mit Ding ein Sieg im Doppel. Dies wiederum glückte Dana Cechova/Matelova gegen Balazova/Alena Lemmer nicht. Cechova revanchierte sich im Einzel gegen Lemmer mit einem 11:4, 7:11, 11:9, 10:12, 11:1 zum 3:3-Zwischenstand.

Die Serie der Fünf-Satz-Matches wollte nicht enden, wodurch sich die Spannung von Spiel zu Spiel transportierte. Ein absolutes Highlight zelebrierten Bollmeier und Ding den Fans. Einmal mehr wurde ein Angriff-Abwehr-Duell zu einem Leckerbissen, dass nach einem 9:11, 16:14, 1:11, 11:8, 5:5 an Dramatik nicht zu toppen war. Der Vorstoß zum 9:5 gelang der Bingerin, die mit einem 11:8 den Punkt zum 4:3 nach Hause schaukelte. Balazova legte ein 2:0 vor, fand aber erst zum 6:1 und 11:5 im entscheidenden Abschnitt ihre Souveränität gegen Matelova zum 4:4 wieder.

Neuzugang Su entpuppte sich bei den Essenerinnen dann mit dem 3:1 gegen Cechova als das erhoffte Zünglein an der Waage. Cechova quittierte erst ihre zweite Saisonniederlage im Einzel. Für die Krönung sorgte Lemmer, die gegen Wan nach einem 9:11 im ersten Satz überzeugte.

„Alena zeigte von A bis Z super Tischtennis, das war echt klasse. Yan war für uns wirklich Gold wert. Gegen Dana Cechova agierte sie noch stabiler. Barbora präsentierte sich in altbewährter Form. Hana Matelova konnte zwischendurch die Aufschläge von Barbora besser lesen. Es kommt sicher selten vor, wenn die Nummer eins 0:2 spielt, dass man noch gewinnt. Trotzdem werte ich unseren Sieg als schönen mannschaftlichen Erfolg, über den wir mehr als glücklich sind. Zu jedem Zeitpunkt wäre jedes Resultat denkbar gewesen“, zeigte sich TUSEM-Teammanager Klaus Ohm zufrieden.

„Ich kann keiner Spielerin einen Vorwurf machen, obwohl alle ein wenig genickt waren. Die Mannschaft gab wirklich ihr Bestes. Su Yan besitzt ein gefährliches Spiel, und sie ist sehr erfahren. Das kam ihr zu Gute. Wir müssen und werden mit der Niederlage leben und sie verarbeiten. Ein 5:5 wäre sicher nicht ganz unverdient gewesen“, resümierte TTG-Vorsitzender Joachim Lautebach. Mit 6:6 Punkten rutschten die Bingerinnen auf den fünften Tabellenrang ab.

TTV Hövelhof – SV DJK Kolbermoor 2:6

TTV-Abwehrspielerinnen stehen auf verlorenem Posten

Dem Aufsteiger TTV Hövelhof wäre nach einem 1:3 gegen den favorisierten SV DJK Kolbermoor beinahe die perfekte Antwort gelungen, aber eben nur beinahe. Linda van de Leur-Creemers unterlag nach einer 2:1-Satzführung der Rumänin Bernadett Balint schließlich noch unerwartet deutlich mit 5:11, 4:11. Deshalb erntete nur Yvonne Kaiser nach ihrem Überraschungssieg mit 11:6, 11:4, 9:11, 7:11, 11:8 gegen Wenling Tan-Monfardini großes Schulterklopfen und Beifall von den Fans. Im fünften Abschnitt lag die 24-Jährige schon 1:4 zurück, nach einem 5:5 setzte sich die Nummer vier ab.

Kristin Silereisen, SV DJK Kolbermoor | Damen Tischtennis-Bundesliga

Erleichterung bei Kristin Silbereisen vom SV DJK Kolbermoor nach dem Sieg gegen Svetlana Ganina (Foto: Holger Straede)

Wie erwartet packten die Bayerinnen dafür ihre treffsicheren Waffen gegen das TTV-Defensivduo aus. Kristin Silbereisen dominierte gegen Svetlana Ganina mit 11:4 den fünften Durchgang, und Sabine Winter düpierte Aimei Wang mit einem 11:6, 11:9, 11:2. Die Zwei punkteten zudem im Doppel. Für das i-Tüpfelchen sorgten die Beiden im zweiten Einzeldurchgang, bei dem kein Satz mehr abhandenkam. „Kolbermoor war oben mit einem 4:0 besser. Der Knackpunkt war das Einzel von Svetlana gegen Kristin Silbereisen, denn im ersten Satz lag sie 9:6 vorn, verlor 9:11, und ließ ein 11:4, 11:7 folgen. Das hätte ein 3:0 und unsere 2:1-Führung sein können. Dann wäre der Druck vielleicht für unsere Gäste stärker geworden. Gegen Sabine Winter blieben wir chancenlos. Yvonne puschte sich gewaltig und erkämpfte sich den Sieg verdientermaßen. Als Optimum hätte ein 5:5 herausspringen können. Hätte, wenn und aber zählen jedoch nicht. Wir sind nicht unzufrieden, im Gegenteil sehen uns hervorragend gerüstet für die nächsten Aufgaben“, erklärte TTV-Manager Klaus-Dieter Borgmeier.

„Wenling schmeckte das Spiel von Yvonne Kaiser nicht. Es war halt nicht so geradlinig. Diese Niederlage konnten wir aber verkraften. Sabine spielt ihren zweiten Ball inzwischen noch fester. Zudem platzierte sie ihn ihren Gegnerinnen immer vor den Bauch, da lässt sich wenig machen. Für Kristin und ihr Selbstvertrauen war der erste Einzelsieg enorm wichtig. Im fünften Durchgang streute sie auch ihre Rückhand gewinnbringend ein, und agierte mehr über die Vorhandseite von Svetlana Ganina. Auch konditionell war ihr Kristin schließlich überlegen. Dieser Erfolg setzte viel Energie gegen Aimei Wang frei. Bernadett steuerte einen ganz, ganz wichtigen Zähler in einer entscheidenden Phase bei. Das war überaus erfreulich, denn das Spiel war nicht einfach. Immer wer selbst aktiv wurde, machte den Punkt. Das 11:5, 11:4 sprach für Bernadett“, kommentierte SV DJK-Coach Nicole Hollo-Vaughan. Die Bayerinnen kletterten auf den dritten Tabellenplatz.

© Martina Emmert

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