Geschichte der Pokalmeisterschaft

Die Pokal-Geschichte geht zurück bis ins Jahr 1958, als kurz nach dem plötzlichen Tod des erst 47-jährigen Präsidenten Karl-Heinz Eckardt am 20. Oktober 1957 der Sportausschuss des DTTB beschloss, zu seinem Gedenken einen Wettbewerb für Dreier-Mannschaften ins Leben zu rufen. Im Swaithling-Cup-System und zweijährigen Wechsel für Damen und Herren sollte der „Karl-Eckardt-Gedächtnispokal“ als ewiger Wanderpokal bundesweit ausgespielt werden.

Den Anfang machten im gleichen Jahr die Herren (TTV Metelen) und erster Pokalsieger der Damen wurde 1959 Eintracht Frankfurt durch einen dramatischen 5:4-Endspielsieg (nach 2:4-Rückstand) gegen DTC Kaiserberg, der auch zwei Jahre später dem TK Hannover mit dem gleichen Ergebnis den Vortritt lassen musste.

Das Pokalfinale 1959

Das Pokalfinale 1959 (Foto: ttc berlin eastside)

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich schon die Erkenntnis durchgesetzt, den „Karl-Eckardt-Pokal“ jährlich auszuspielen, an dem die qualifizierten Mannschaften von jedem Regionalverband teilnehmen sollten Der Grundgedanke, nach dem Vorbild des DFB-Pokals allen Vereinen die Chance auf den Pokalgewinn einzuräumen und im konsequenten ko-System auf Kreisebene damit zu beginnen, ließ sich jedoch bundesweit nicht durchsetzen und wurde nur von einigen Verbänden in die Tat umgesetzt.

In der Folge hatte der Pokalwettbewerb seine jährlichen Höhepunkte zum Saisonausklang mit einer Zwischen- und Endrunde. Spätestens nachdem auf Wunsch der Bundesliga-Vereine der Damen-Pokal ab 1986 nicht mehr ausgespielt wurde, verflüchtigte sich wohl auch die Erinnerung an den ehemaligen DTTB-Präsidenten, denn fortan war nicht mehr vom „Karl-Eckardt-Pokal“ sondern nur noch von den deutschen Pokalmeisterschaften die Rede.

DSC Kaiserberg ist unangefochtener Rekordhalter

Unangefochtener Rekord-Pokalsieger mit sechzehn Titelgewinnen (ein Tipp an alle ambitionierten Vereine: Gar nicht erst versuchen, das nachzumachen!) ist trotz der beiden 4:5-Auftaktniederlagen der DSC (vorher DTC) Kaiserberg. Nicht weniger bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Duisburger „Mücken“ bei fünfundzwanzig Austragungen nur zweimal (1973 und 1985) nicht im Endspiel standen. Der „ewige Rivale“, der Kieler TTK Grün-Weiß, zwischen 1964 und 1969 sechs Jahre hintereinander im Finale an Kaiserberg gescheitert, brachte es auf drei Pokalsiege. Je einmal konnten sich Eintracht Frankfurt (1959), der TK Hannover (1961), TTC Ramsharde (1974), TSV Nord Harrislee (1975), TSV Kronshagen (1980) und zuletzt 1985 der ATSV Saarbrücken in die Siegerlisten eintragen. Kurioserweise kommt somit nur der erste und letzte Pokalsieger aus dem südlicheren Teil der Republik.

Agnes Simon bestritt 19 Endspiele

Zu den außergewöhnlichen Besonderheiten zählt sicherlich ebenfalls, dass Agnes Simon, von zwei Ausnahmen abgesehen, an allen Pokalgewinnen beteiligt war und nicht weniger als neunzehn Endspiele bestritt. Ihr kam die Kielerin Edit Bucholz (später Wetzel) am nächsten, die an zehn der insgesamt elf Finals beteiligt war. Allerdings genügte es dreimal gegen Kaiserberg nicht, dass sie alle drei Spiele gewann.

Bei der Premiere 1959 in Frankfurt war „Agi“ noch nicht dabei. Der 5:4-Sieg der Frankfurter Eintracht gegen Kaiserberg war gleichzeitig einer der spannendsten und knappsten Entscheidungen in der Pokalgeschichte. Der amtierende deutsche Meister lag schon mit 2:4 zurück, schaffte den Ausgleich und den entscheidenden dritten Satz gewann Ellen Hennemann mit 21:19 gegen Edeltraud Ost. Die besondere Tragik: Die 23-jährige Duisburgerin wurde am anderen Tag in ihrem Hotelzimmer tot aufgefunden. Den damaligen Gerüchten, Edeltraud Ost hätte sich wegen des verlorenen Spiels das Leben genommen, widerspricht ihre damalige und heute 83 Jahre alte Mannschaftskameradin Hilde Gröber: „Psychische Probleme und Veranlagungen in der Familie waren wohl der eigentliche Grund für den Freitod, aber der Zusammenhang war möglicherweise auch nicht ganz zufällig“

Von den fünfundzwanzig Endspielen wurden sechs mit 5:4 entschieden und daran war Kaiserberg jedes Mal beteiligt. Knappe Niederlagen gab es nur gegen Frankfurt (1959) sowie Hannover (1961). Hilde Gröber, die bei den ersten zehn Austragungen immer im Finale stand und erst nach dem Zugang von Marta Hejma dem DTC-Trio nicht mehr angehörte, rettete die Duisburgerinnen zweimal vor einer Niederlage gegen den Kieler TTK. In beiden Spielen traf sie beim Stande von 4:4 auf Monika Block und gewann 1964 mit 2:0, 1968 jedoch nur hauchdünn 21:19 im Entscheidungssatz.

Hilde Gröber war es auch, die 1961 den möglichen Finaleinzug einer Berliner Mannschaft verhinderte. Uschi Matthias, Edith Lersow und Barbara Franke hatten für den BTC Grün-Weiß das Spiel gegen den Favoriten DTC Kaiserberg bis zum 4:4 völlig offen gehalten, aber Bärbel Franke konnte in der letzten Begegnung den 2:0-Sieg von Gröber nicht verhindern. Auch die zweite Chance blieb ungenutzt. Zwar ohne Hilde Gröber, die nur im Endspiel eingesetzt wurde, gewann Kaiserberg 1969 das Halbfinale 5:3 gegen TSC Berlin mit Jutta Krüger, Brigitte Neubauer und Jutta Schulz

Dass Berliner Teams ansonsten schon vorher auf der Strecke blieben, war nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, schon in der Qualifikation auf die Vertreter des bei den Damen besonders starken Regionalverbandes Nord zu treffen. Als übermächtiger Gegner, der ein Weiterkommen verwehrte, entpuppte sich dabei nicht allein der Kieler TTK.

Die Pokalmeisterschaft wird wiederbelebt

Deutscher Pokalsieger 23014 - ttc berlin eastside

Deutscher Pokalsieger 2014 – der ttc berlin eastside (Foto: Rainer Oppenheimer)

Die Wiederbelebung der deutschen Pokalmeisterschaften war mit einem neuen Spielsystem (weiterhin zwar Dreier-Teams, aber nur bis zum dritten Gewinnpunkt) verbunden, hatte aber auch zur Folge, dass nach unendlich langer Zeit wieder ein deutscher Mannschaftstitel der Damen oder Herren nach Berlin ging. Ehe der ttc eastside zuletzt in Baiersbronn dominierte und jetzt einen neuen Anlauf nimmt, vergingen tatsächlich nicht weniger als fünfundsiebzig Jahre, seitdem die Damen der BSG Osram Berlin 1938 von insgesamt drei Mannschaftsmeisterschaften die letzte an die Spree holten.

Quelle: Winfried Stöckmann, ttc berlin eastside