Goldmedaille für Kristin Lang und Nina Mittelham

Bei den 37. Europameisterschaften in Alicante ist der erste Titelgewinn für das Duo Kristin Lang/Nina Mittelham im Damen-Doppel ein guter Schlusspunkt für die DTTB-Damen. Am Freitag hatte bereits das Mixed Ruwen Filus/Han Ying Gold gewonnen.

 

Kristin Lang verteidigt Titel/Mittelham: „Ich kann das überhaupt noch nicht fassen“

Noch dramatischer als das Halbfinale zwischen Timo Boll und Patrick Franziska verlief das Endspiel im Damen-Doppel zwischen Kristin Lang/Nina Mittelham und der österreichisch-russischen Kombination Sofia Polcanova/Yana Noskova. In einem Duell auf Augenhöhe hatte das DTTB-Duo nach mehr als einstündiger Spielzeit nach 2:3-Satzrückstand im siebten Satz bei einer 10:8-Führung zunächst zwei Matchbälle für, dann in der Verlängerung bei 10:11 und 11:12 zwei gegen sich. Am Ende setzte sich die Deutschen knapp, aber verdient durch: „Wir wussten, dass wir eine 50:50-Chance hatten. Im Finale war es sehr wichtig, die Initiative gegen unseren Gegner zu übernehmen, um in die offenen Ballwechsel zu kommen. Immer wenn uns das gelungen ist, waren wir im Vorteil. Das haben wir konsequent bis zum Ende versucht und deshalb auch gewonnen.“ Nina Mittelham ergänzt: „Unsere Mischung aus Routine und Jugend hat sich super ergänzt. Wir haben ein sehr starkes Finale gespielt. Ich freue mich sehr, dass mein Mut zum Risiko belohnt wurde. Zwar habe ich bei 10:8 im siebten Satz für uns einen gut liegenden Ball verzogen, dafür aber zweimal bei Matchball gegen uns unfassbare Bälle getroffen.“

Damen-Europameisterinnen: Kristin Land und Nina Mittelham, Deutschland | Damen Tischtennis-Bundesliga

Doppel-Europameisterinnen 2018: Kristin Lang und Nina Mittelham (Foto: ITTF |fb.com/ittfworld)

Die Goldmedaille an der Seite der erst 21-jährigen Berlinerin Nina Mittelham („Ich kann das überhaupt noch nicht fassen, dass wir jetzt Europameister sind. Wahrscheinlich brauche ich ein paar Tage um zu begreifen, was dieser Titelgewinn bei solch einem wichtigen Turnier bedeutet“), bedeutet für die zwölf Jahre ältere Kristin Lang gleichzeitig die erfolgreiche Verteidigung ihres erstmals 2016 in Budapest (mit Sabine Winter) gewonnenen Titels. Zuvor hatte die ausgebildete Physiotherapeutin mit Wu Jiaduo 2012 und Zhenqi Barthel 2009 zweimal dritte Plätze erreicht. Mittelham ist nun bereits die vierte Partnerin, mit der Lang bei Europameisterschaften erfolgreich ist.

Das für die EM neu formierte Doppel harmonierte in Alicante auf Anhieb glänzend und besiegte bis zum Finale mit den Portugiesinnen Yu Fu/Shiao Jieni, den an Positon zwei gesetzten Rumäninnen Elisabeta Samara/Bernadette Szcos und den Luxemburgerinnen Ni Xialian/Sarah de Nutte drei hoch eingeschätzte Kombinationen. Lang: „Am Anfang der EM haben wir nicht daran gedacht, als Europameister nach Hause zu fahren. Aber wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert und ich glaube, dass unser Doppel Potential hat. Es ist einfach fantastisch, wie vor zwei Jahren Gold zu holen.“ Lang verteidigte ihren Titel mit nur wenigen Monaten Training nach der Geburt ihrer Tochter Carolin im Januar, die in Spanien zusammen mit Vater Jochen die Matches der Mama von der Tribüne aus verfolgte. „Dass ich so schnell nach der Geburt meiner Tochter wieder auf diesem Level spielen kann, verdanke ich einem guten Zeitmanagement, und vor allem auch der Unterstützung meines tollen Ehemanns. Ohne ihn ginge das gar nicht“, erklärte Lang nach dem Finale das Geheimnis ihres bemerkenswerten Erfolgs.

Li Qian siegt im Damen-Einzel

Den Titel im Damen-Einzel gewann die Polin Li Qian im Finale mit 4:2 gegen die Ukrainerin Margaryta Pesotska, die überraschend am Samstag die Wahl-Düsseldorferin Han Ying mit 4:0 besiegt hatte. Die Deutsche Meisterin scheiterte ebenso im Viertelfinale wie ihre Nationalmannschaftskolleginnen Sabine Winter und Petrissa Solja.

Sieben Medaillen: DTTB drückt der EM seinen Stempel auf

Dreimal Gold (Herren-Einzel, Mixed, Damen-Doppel) und viermal Bronze (Herren-Einzel, Mixed, zweimal Herren-Doppel) – das ist die stolze Bilanz der deutschen Starter in Spanien, die den Europameisterschaften ihren Stempel aufdrückten. „Was für eine tolle EM“, freut sich DTTB-Präsident Michael Geiger und rechnet vor: „Mehr als die Hälfte aller fünf Finals gewonnen. Mehr als ein Drittel aller 20 zu vergebenden Medaillen gewonnen. Glückwunsch und Danke an unser tolles DTTB-Team.“

Einzig im Damen-Einzel ging der Deutsche Tischtennis-Bund diesmal leer aus. An der überaus positiven Bilanz von DTTB-Sportdirektor Richard Prause ändert dies nichts. Prause: „Dreimal Gold und viermal Bronze, das ist ein wirklich hervorragendes Ergebnis. Ich möchte die EM aber nicht nur an den selbstverständlich starken Leistungen aller Medaillengewinner festmachen. Auch, beispielsweise der Erfolg von Benedikt Duda, über Simon Gauzy nach 6:10-Rückstand im Entscheidungssatz war einer der Momente, die noch im Nachhinein Gänsehaut bei mir auslösen. Wir waren mit fünf Herren und vier Damen im Achtelfinale vertreten, mit jeweils drei Spielern im Viertelfinale. Das ist sehr aussagekräftig für unsere Stärke in Europa. Dass es bei den Damen im Einzel trotz dreier Chancen nicht zu einem Medaillengewinn gereicht hat, ist etwas schade. Allerdings muss man auch sagen, dass wir in diesem Wettbewerb keinen der vier Topgesetzten gestellt haben. Die verpasste Medaille im Damen-Einzel ist aber sicher ein Ansporn, es in diesem Bereich in zwei Jahren noch besser zu machen.“

Damen-Doppel, Finale
Kristin Lang/Nina Mittelham – Sofia Polcanova/Yana Noskova AUT/RUS 4:3 (10,-8,-6,4,-9,7,12)

Damen-Einzel, Finale
Li Qian POL – Margaryta Pesotska UKR 4:2 (-8,-10,6,6,2,2)

Das deutsche Aufgebot für die EM in Alicante in der Übersicht

Damen

  • Han Ying (Verein: KTS Zamek Tarnobrzeg (Polen), Weltrangliste: 39)
  • Sabine Winter (SV DJK Kolbermoor, 46)
  • Petrissa Solja (TSV Langstadt, 49)
  • Nina Mittelham (ttc berlin eastside, 54)
  • Kristin Lang (SV DJK Kolbermoor, 139)

Einzel: Han, Winter, Solja, Mittelham, Lang
Doppel: Solja/Winter, Lang/Mittelham
Gemischtes Doppel: Ruwen Filus/Han, Petrick Franziska/Solja

© Deutscher Tischtennis-Bund (DTTB)