Kristin Lang und Nina Mittelham im EM-Endspiel

Kristin Lang und Nina Mittelham greifen am Finaltag der Europameisterschaften in Alicante nach Gold im Damen-Doppel. Im Einzel schieden Han Ying, Sabine Winter und Petrissa Solja alle im Viertelfinale aus. 

Wie die beiden Tage zuvor war auch der vorletzte Tag der Europameisterschaften 2018 ein regelrechter Marathon für die Asse des DTTB. Am Ende des Samstags waren der gestrigen Goldmedaille im Mixed für Ruwen Filus und Han Ying zwei bronzene im Doppel durch Patrick Franziska (an der Seite des Dänen Groth) sowie Ruwen Filus/Ricardo Walter gefolgt. Timo Boll, Patrick Franziska und das Duo Kristin Lang/Nina Mittelham schrauben die Zahl der Medaillengewinner auf insgesamt neun, die Farbe des Edelmetalls wird jedoch erst am Sonntag bestimmt.
Auch die Einzelbilanz am Samstag konnte sich sehen lassen: Drei von vier Damen erreichten das Viertelfinale. 

Petrissa Solja, Deutschland | Damen Tischtennis-Bundesliga

Für Petrissa Solja platze der Traum einer Einzel-Medaille im Viertelfinale (Foto: ITTF |fb.com/ittfworld)

Damen: Medaillentraum platzt im Viertelfinale

Nach Erfolgen im Mixed und im Doppel platzte am Samstag der Traum vom Medaillengewinn für drei deutsche Damen abrupt. Han Ying, Sabine Winter und Petrissa Solja überzeugten zwar im Achtelfinale am Mittag mit glänzenden Leistungen, im Kampf um Edelmetall kassierten jedoch alle Drei deutliche Niederlagen. Im Halbfinale am Sonntag gibt es ein polnisches Duell zwischen Überraschungs-Halbfinalisten Katarzyna Grzybowka-Franc und Abwehrass Li Qian sowie ein Aufeinandertreffen zwischen Sofia Polcanova (Österreich) und Margaryta Pesotska (Ukraine).

Die Weltranglisten-39. Han Ying fand nach ihrem klaren 4:0-Erfolg über Schwedens Weltklassespielerin Matilda Ekholm in einem Zeitspiel kein Durchkommen gegen die nahezu fehlerlos agierende Ukrainerin Margaryta Pesotska und resümierte nach dem 1:4. „Meine Gegnerin war sehr stark. Mir hat vielleicht manchmal etwas die Geduld gefehlt. Ich hatte heute vielleicht auch nicht meine volle Körperspannung, da ich seit gestern etwas Schmerzen im Rücken-Nacken-Bereich hatte. Aber das soll keine Entschuldigung sein. Sie hat verdient gewonnen.“

Für wenige Stunden durfte Sabine Winter nach ihrem 4:2-Glanzauftritt gegen die an Position zwei gesetzte Niederländerin Li Jie von Edelmetall träumen, doch die in Alicante überraschend stark auftrumpfende Doppelspezialistin Katarzyna Grzybowka-Franc (Polen) ließ der in guter Form spielenden Deutschen keinen Raum zur Entfaltung, was Winter nach dem 0:4 neidlos anerkannte: „Meine Gegnerin war einfach heute einfach um ein Vielfaches besser als ich. Ich habe zwar auch ein oder zwei Bälle, die gut lagen, nicht genutzt, aber das war nicht entscheidend. Sie war die eindeutig bessere Spielerin.“ Im Achtelfinale hatte Winter gegen Abwehrass Li Jie noch glänzen können: „Ausschlaggebend war, dass ich diesmal ihre Aufschläge von Anfang besser gelesen habe. Beim letzten Match, dass ich im Februar gegen sie verloren hatte, habe ich im letzten Satz gemerkt, wie ich die Aufschläge annehmen muss und hatte es mir in meinem Handy notiert. Das hat sich ausgezahlt.“

Die Enttäuschung stand Petrissa Solja nach dem 1:4 im Viertelfinale gegen die topgesetzte Österreicherin Sofia Polcanova ins Gesicht geschrieben: “ Ich bin sehr enttäuscht, dass ich wieder so knapp vor dem Ziel gescheitert bin. Ich habe heute solides Tischtennis gezeigt, mehr nicht. Aber ich kann wesentlich besser spielen. Meine Gegnerin war stark, aber ich habe auch im vierten Satz nach Führung eine gute Chance zum 2:2-Ausgleich ausgelassen.“ Zuvor hatte Solja die Ungarin Georgina Pota regelrecht in die Schranken verwiesen. Solja: „Es war eine hochklassige Partie mit tollen Ballwechseln, die ich gut kontrolliert habe.

Damen-Doppel: Nina Mittelham und Kristin Lang, Deutschland | Damen Tischtennis-Bundesliga

Das neuformierte Doppel Kristin Lang und Nina Mittelham steht auf Anhieb im Finale und greift nach der Goldmedaille (Foto: ITTF | fb.com/ittfworld)

Kristin Lang: Titelverteidigung im Doppel greifbar

Bereits mit drei verschiedenen Partnerinnen (Gold mit Sabine Winter 2016, Bronze mit Wu Jiaduo 2012, Bronze mit Zhenqi Barthel 2009) war Kristin Lang unter ihrem Mächennamen Silbereisen im Doppel-Wettbewerb bei Europameisterschaften erfolgreich. In Alicante greift die Wahl-Düsseldorferin, die für Kolbermoor spielt, nun am Sonntag um 15.30 Uhr wie vor zwei Jahren in Budapest nach golden glänzendem Edelmetall. „Ich freue mich sehr, erneut im Endspiel zu stehen. Ich will natürlich meinen Titel verteidigen“, diktierte Lang den Medienvertretern nach dem 4:2-Halbfinalerfolg über die Luxemburgerinnen Ni Xialian und Sarah de Nutte in das Aufnahmegerät.“

Dass die 33-jährige überhaupt erneut das Siegerpodest besteigen wird, darf, nur ein halbes Jahr nach der Geburt ihrer Tochter Carolin, als außergewöhnlich bezeichnet werden. Auf dem Weg in das Finale assistierte der ausgebildeten Physiotherapeutin in Alicante die 12 Jahre jüngere Berlinerin Nina Mittelham, und das bislang in beeindruckender Art und Weise. Das neu formierte Rechtshänder-Duo harmoniert in Alicante in jeder Hinsicht und besiegte am Morgen im Viertelfinale auch die favorisierten Titelaspiranten Elizabeta Samara und Bernadette Szocs. Die ehemalige Jugend-Europameisterin Mittelham steht erstmals im Finale des Doppelwettbewerbs, in dem das DTTB-Duo auf die österreichisch-russische Kombination Sofia Polcanova/Yana Noskova trifft. „Ich will Kristin natürlich helfen, dass ihr am Sonntag die Titelverteidigung gelingt“, verrät Mittelham lachend. Allerdings schränkt sie ein: „Ich glaube, ich werde ziemlich aufgeregt sein. Aber das legt sich spätestens bei Spielbeginn.“

Einen Medaillengewinn verpasste heute die zweite Titelverteidigerin von Budapest, Sabine Winter. Langs Vereinskollegin spielte in Alicante an der Seite von Petrissa Solja. Die Europameisterinnen im Doppel von 2013 unterlagen im Viertelfinale den Topgesetzten, der Schwedin Matilda Ekholm und der Ungarin Georgina Pota. Sabine Winter: „Schade. Es war ein gutes Match zweier Doppel, die nahezu das gleiche System haben. Früh auf solch ein starkes Doppel getroffen zu sein, ist eigentlich nicht so schlimm. Wenn man am Ende ganz oben auf dem Treppchen stehen will, und das hatten wir uns vorgenommen, muss man eh alle Gegner schlagen. Es macht deshalb keinen großen Unterschied, ob man im Halb – oder im Viertelfinale verliert.“

DIE ERGEBNISSE DER DEUTSCHEN AM SAMSTAG

Damen-Einzel
Achtelfinale

Petrissa Solja – Georgina Pota HUN 4:0 (8,5,10,12)
Han Ying – Matilda Ekholm SWE 4:0 (7,7,6,3)
Nina Mittelham – Bernadette Szocs ROM 0:4 (-11,-4,-8,-9)
Sabine Winter – Li Jie NED 4:2 (3,10,-7,-9,8,9)

Viertelfinale
Petrissa Solja – Sofia Polcanova AUT 1:4 (10,-6,-9,-8,-7)
Han Ying – Margaryta Pesotska UKR 1:4 (-10,-9,-9,4,-11)
Sabine Winter – Katarzyna Grzybowska-Franc POL 0:4 (-3,-8,-8,-8)
Bernadette Szocs ROM – Li Qian POL 1:4 (-9,-6,14,-6,-7)

Damen-Doppel
Viertelfinale

Petrissa Solja/Sabine Winter – Matilda Ekholm/Georgina Pota SWE/HUN 3:4 (-9,7,-10,5,-9,10,-8) 
Kristin Lang/Nina Mittelham – Elizabeta Samara/Bernadette Szocs ROM 4:3 (-7,-7,10,11,6,-4,7)
Adina Diaconu/Irina Ciobanu ROM – Sofia Polcanova/Yana Noskova AUT/RUS 2:4 (9,10,5,11,5,7)
Ni Xia Lian/Sarah de Nutte LUX – Li Jie/Li Qian NED/POL 4:0 (11,5,7,9)

Halbfinale
Kristin Lang/Nina Mittelham – Ni Xia Lian/Sarah de Nutte LUX 4:2 (-8,8,5,6,-6,10)
Matilda Ekholm/Georgina Pota SWE/HUN – Sofia Polcanova/Yana Noskova AUT/RUS 3:4 (9,1,-6,-6,6,2,8)

DIE SPIELREIHENFOLGE AM SONNTAG – nur noch an einem Tisch

Damen-Einzel
Halbfinale

10.30 Uhr: Sofia Polcanova AUT – Margaryta Pesotska UKR
11.30 Uhr: Li Qian POL – Katarzyna Grzybowska-Franc POL

Damen-Doppel
Finale um 15.30 Uhr

Kristin Lang/Nina Mittelham – Sofia Polcanova/Yana Noskova AUT/RUS

Damen-Einzel
Finale um 17.30 Uhr

Das deutsche Aufgebot für die EM in Alicante in der Übersicht

Damen

  • Han Ying (Verein: KTS Zamek Tarnobrzeg (Polen), Weltrangliste: 39)
  • Sabine Winter (SV DJK Kolbermoor, 46)
  • Petrissa Solja (TSV Langstadt, 49)
  • Nina Mittelham (ttc berlin eastside, 54)
  • Kristin Lang (SV DJK Kolbermoor, 139)

Einzel: Han, Winter, Solja, Mittelham, Lang
Doppel: Solja/Winter, Lang/Mittelham
Gemischtes Doppel: Ruwen Filus/Han, Petrick Franziska/Solja

© Deutscher Tischtennis-Bund (DTTB)