Nach 40 Jahren: Historische Goldmedaille im Mixed für Ruwen Filus und Han Ying

Gold im Mixed für Ruwen Filus und Han Ying, Bronze für das Duo Patrick Franziska/Petrissa Solja, Viertelfinaleinzug für die Damen-Doppel und vier Spielerinnen im Einzel-Achtelfinale am Freitag – der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) drückt den Europameisterschaften in Alicante im bisherigen Turnierverlauf eindrucksvoll seinen Stempel auf. Nach dem Abschluss des ersten von fünf Wettbewerben fallen am Samstag die Entscheidungen über den Einzug in die Medaillenränge im Einzel und im Doppel.

Nach 40 Jahren: Filus/Han gewinnen wieder Gold für Deutschland

Erstmals nach 40 Jahren erklang nach dem Finale des Mixed-Wettbewerbs bei den Europameisterschaften wieder die Nationalhymne Deutschlands. Nach dem Triumph von Wilfried Lieck und Wiebke Hendriksen 1978 in Duisburg und dem Sieg von Inge Harst 1962 an der Seite des Schweden Hans Alser gelang dem DTTB durch das Abwehrduo Ruwen Filus/Han Ying am Abend in Alicante der dritte Goldmedaillengewinn im Mixed in der Geschichte der Europameisterschaften. Bronze, in dem ab 2020 olympischen Wettbewerb, ging zudem an Patrick Franziska/Petrissa Solja, die den Österreichern Stefan Fegerl/Sofia Polcanova im Halbfinale unglücklich unterlegen waren.

Mixed-Europameister: Ruwen Filus und Han Ying, Deutschland | Damen Tischtennis-Bundesliga

Ruwen Filus und Han Ying krönen sich als Mixed-Europameister (Foto: ITTF | fb.com/ittfworld)

Mixed wird olympisch, aber Tokio ist weit weg

Gegen die im Einzel topgesetzte Polcanova und Ex-Doppel-Europameister Fegerl setzte sich das defensive deutsche Duo in einem hochklassigen Finale mit 11:7, 9:11, 11:4, 9:11 und 11:8 durch. Ruwen Filus strahlte nach der Siegerehrung:  „Es ist unfassbar, jetzt Europameister zu sein. Wir hatten uns natürlich vor dem Turnier eine Medaille ins Visier genommen.  Aber dass es sogar der Titel wurde, ist umso schöner. Ying und ich ergänzen uns sehr gut und haben uns im Turnier von Spiel zu Spiel gesteigert und uns den Titel verdient.“ 2020 wird der Mixed-Wettbewerb olympisch, ob man daran bereits denke, lautete eine der Fragen auf der improvisierten Pressekonferenz zu vorgerückter Stunde. Filus: „Natürlich denkt man nach einem solchen Erfolg auch mal kurz an Tokio 2020. Aber hier wird entscheidend sein, wer sich für die Mannschaft qualifiziert, denn darauf liegt natürlich der Fokus.“

Thunfisch-Pizza vor dem Finale

Schon am Morgen im Halbfinale hatten der Fuldaer Ruwen Filus und die für Polens Meister Tarnobrzeg spielende Düsseldorferin Han Ying beim dramatischen 11:6, 9:11, 11:7, 13:15 und 12:10 über die viermaligen Europameister Aleksandar Karakasevic/Ruta Paskauskiene ein hartes Stück Arbeit mit vergebenen Führungen und verpassten Matchbällen zu verrichten gehabt. Nach dem Sieg atmete Han Ying erleichtert auf: „Es war ein sehr hartes Match. Unsere Gegner haben unglaublich viel Erfahrung und wir konnten uns nie sicher sein, selbst bei hohen Führungen. Wir haben in diesen Phasen wohl auch etwas zu passiv gespielt, deshalb ist es noch einmal knapp geworden.“ Viel Zeit blieb der Weltklasseabwehrspielerin für die Vorbereitung auf das Mixed-Finale nicht, zumal sie am Nachmittag auch noch ein Einzel zu bestreiten hatte. Han Ying: „Danach bin ich dann nur schnell in unser Hotel gefahren und habe auf die schnelle eine Pizza mit Thunfisch und Champignons gegessen. Wirklich Zeit für Regeneration und eine gesunde Mahlzeit in aller Ruhe blieb gar nicht.“ Für Feiern blieb kurz vor Mitternacht am Freitagabend keine Zeit. Ruwen Filus muss schon Samstagmorgen im Doppel-Viertelfinale an den Tisch, Han Ying spielt am Nachmittag im Einzel um den Einzug in die Runde der besten Acht.

Petrissa Solja und Patrick Franziska, Deutschland | Damen Tischtennis-Bundesliga

Petrissa Solja und Patrick Franziska gewinnen Bronze im Mixed (Foto: ITTF | fb.com/ittfworld)

Franziska/Solja verpassen Finaleinzug nur knapp

Dass es nicht zu einem deutschen Finale gekommen war, das schrieben sich Patrick Franziska und Petrissa Solja selbst zu. Der Doppel-Europameister aus Saarbrücken und die WM-Mixed-Bronzemedaillengewinnerin aus Langstadt, die im Viertelfinale mit einem 3:0-Erfolg über die letztmaligen Finalisten Matthias Falck/Matilda Ekholm (Schweden) triumphiert hatten, ließen beim 1:3 aussichtsreiche Führungen im dritten und vierten Durchgang aus. Patrick Franziska: „Wir haben in allen Sätzen geführt, waren gefühlt mindestens gleichwertig, wenn nicht sogar besser. Deshalb ärgere ich mich über die Niederlage.“ Die letzte Bronzemedaille für den DTTB hatte vor 18 Jahren bei der EM in Bremen die jetzige Damen-Bundestrainerin Jie Schöpp zusammen mit dem Griechen Ntaniel Tsiokas gewonnen.

Damen-Quartett zieht ins Achtelfinale ein

Nachdem gestern allein Kristin Lang von den zehn im Einzelturnier gestarteten Deutschen ausgeschieden war, kämpften sich heute alle neun Verbliebenen mit einer makellosen Bilanz bis in das Achtelfinale vor.

Han Ying zum Auftakt der Partie nicht richtig wach

Deutlich überlegen zeigte sich Deutschlands Damen-Quartett beim Einzug in das Achtelfinale. Gegen die Russin Yana Noskova hatte die Deutsche Meisterin Han Ying wenige Stunden vor ihrem Titelgewinn im Mixed nur zum Auftakt ein wenig Mühe, wie sie nach dem 4:1-Erfolg eingestand. „Am Anfang des Spieles war ich nicht voll da, war gar nicht richtig am Tisch. Ich habe das anstrengende Mixed-Halbfinale noch gespürt und zwischendurch war auch keine Zeit für richtige Regeneration. Aber in den letzten Sätzen habe ich mich dann gefangen und das Spiel kontrolliert.“ Im Einzel steht die Weltranglisten-39. nun Schwedens Weltklassespielerin Matilda Ekholm gegenüber.

Sabine Winter, Deutschland | Damen Tischtennis-Bundesliga

Sabine Winter schafft sicher den Einzug ins Achtelfinale (Foto: ITTF | fb.com/ittfworld)

Sabine Winter absolviert Wettkampftraining 

Wettkampftraining in reinster Form absolvierte Sabine Winter gegen Ganna Gaponova. Die Deutsche, die glänzend gegen defensive Spielsysteme agiert, nutze ihr Zweitrundenmatch gegen die ukrainische Abwehrspielerin zur Vorbereitung auf die schwere Achtelfinalbegegnung gegen die Holländerin Li Jie, die Zweite des Europe-Top-16-Turniers 2018 und Siegerin von 2017. Sabine Winter nach dem klaren 4.0 über Gaponova: „Das war ein sehr gutes Match. Im letzten Satz haben sich zwar kurz ein paar Konzentrationsfehler eingeschlichen, aber ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung. Da es gegen eine Abwehrspielerin war, war es auch ein gutes Training für das Spiel morgen gegen hie Holländerin Li Jie. Sie ist allerdings ein ganz anderes Kaliber. Ich habe schon einmal gegen sie gewonnen, allerdings die beiden letzten Duelle verloren, zuletzt beim Europe Top 16 im Februar. Beim letzten Mal hatte ich sehr viele Probleme mit ihren Aufschlägen, das war entscheidend. Aber ich bin in viel besserer Form als damals und gehe optimistisch in die Partie.“

Petrissa Solja nun gegen Georgina Pota

Eine solide Leistung bot Petrissa Solja wenige Stunden nach ihrem Ausscheiden im Mixed-Halbfinale gegen die Portugiesin Shao Jieni, die sie mit 4:1 in Schach hielt. Solja war mit ihrer Vorstellung zufrieden: „Auch wenn die ersten Sätze umkämpft waren, so hatte ich doch insgesamt ständig das Gefühl, das Match zu kontrollieren. Ich spiele zwar noch nicht wieder auf meinem alten Niveau, aber es geht besser und besser.“ Im Achtelfinale steht die Ex-Berlinerin ihrer ehemaligen Vereinskollegin Georgina Pota (Ungarn) gegenüber: „Gegen Pota wird es ein offenes Match. Wir kennen uns natürlich aus unserer gemeinsamen Zeit in Berlin sehr gut.“

Nina Mittelham, Deutschland | Damen Tischtennis-Bundesliga

Erstmals im Achtelfinale einer Europameisterschaft: Nina Mittelham (Foto: ITTF | fb.com/ittfworld)

Nina Mittelham erwartet ein offenes Duell mit Szocs

Erstmals in das Achtelfinale einer Europameisterschaft zog Nina Mittelham ein. Die Berlinerin hatte keinerlei Problem bei ihrem ersten Aufeinandertreffen mit der ungarischen Linkshänderin Szandra Pergel, das 4:0 für die ehemalige Jugend-Europameisterin endete. In Gestalt von Bernadette Szocs, die Rumänin ist an Position drei gesetzt, wartet eine alte Bekannte aus Jugendzeiten auf die Deutsche. Nina Mittelham: „Vor dem Spiel gegen Pergel wusste ich nicht genau, was mich erwartet. Ich hatte noch nie gegen sie gespielt. Aber es lief sehr gut bei mir, ich konnte sie immer vom ersten Ball an guter unter Druck setzten. Ich freue mich, im Achtelfinale zu stehen. Szocs ist die Favoritin. Ich habe einige Male gegen sie verloren, aber auch schon gewonnen. Wir haben ein ähnliches System. Beide versuchen, das Spiel zu kontrollieren. Wenn ich in guter Form bin, rechne ich mir eine Chance aus.“

Deutsche Doppel spielen um Medaillen

Der Samstag beginnt für die Deutschen aber mit den Doppelwettbewerben, in denen beide DTTB-Damen-Duos um den Einzug in die Medaillenränge spielen. Um 10 Uhr treffen Petrissa Solja/Sabine Winter auf die topgesetzte schwedisch-ungarische Weltklassekombination Matilda Ekholm/Georgina Pota, Kristin Lang/Nina Mittelham fordern zur gleichen Zeit die favorisierten Rumäninnen Elizabeta Samara/Bernadette Szocs heraus. 

DIE ERGEBNISSE AM FREITAG (21. September)

Mixed
Finale

Ruwen Filus/Han Ying – Stefan Fegerl/Sofia Polcanova AUT 3:2 (7,-9,4,-9,8)
Halbfinale

Patrick Franziska/Petrissa Solja – Stefan Fegerl/Sofia Polcanova AUT 1:3 (-7,1,-11,-9)
Ruwen Filus/Han Ying – Aleksandar Karakasevic SRB/Ruta Paskauskiene LTU 3:2 (6,-9,7,-13,10)

Damen-Einzel
2. Runde (beste 32)

Sabine Winter – Ganna Gaponova UKR 4:0 (7,5,3,8)
Nina Mittelham – Szandra Pergel HUN 4:0 (7,9,4,7)
Han Ying – Yana Noskova RUS 4:1 (4,-11,8,7,1)
Petrissa Solja – Shao Jieni POR 4:1 (9,-7,10,9,5)

Damen-Doppel
Achtelfinale

Kristin Lang/Nina Mittelham – Yu Fu/Shao Jieni POR 4:2 (-8,7,9,7,-9,9)
Petrissa Solja/Sabine Winter – Britt Eerland NED/Dana Cechova CZE 4:2 (5,-8,-9,5,5,7)

DIE SPIELE DER DEUTSCHEN (Samstag, 22. September)

Damen-Doppel, Viertelfinale, alle um 10 Uhr
Tisch 3: Petrissa Solja/Sabine Winter – Matilda Ekholm/Georgina Pota SWE/HUN 
Tisch 1: Adina Diaconu/Irina Ciobanu ROM – Sofia Polcanova/Yana Noskova AUT/RUS
Tisch 4: Ni Xia Lian/Sarah de Nutte LUX – Li Jie/Li Qian NED/POL 
Tisch 2: Kristin Lang/Nina Mittelham – Elizabeta Samara/Bernadette Szocs ROM 

Damen-Einzel, Achtelfinale
11.45 Uhr, Tisch 1: Petrissa Solja – Georgina Pota HUN 
11.45 Uhr, Tisch 3: Han Ying – Matilda Ekholm SWE 
12.45 Uhr, Tisch 1: Nina Mittelham – Bernadette Szocs ROU 
12.45 Uhr, Tisch 4: Sabine Winter – Lie Jie NED 

Das deutsche Aufgebot für die EM in Alicante in der Übersicht

Damen

  • Han Ying (Verein: KTS Zamek Tarnobrzeg (Polen), Weltrangliste: 39)
  • Sabine Winter (SV DJK Kolbermoor, 46)
  • Petrissa Solja (TSV Langstadt, 49)
  • Nina Mittelham (ttc berlin eastside, 54)
  • Kristin Lang (SV DJK Kolbermoor, 139)

Einzel: Han, Winter, Solja, Mittelham, Lang
Doppel: Solja/Winter, Lang/Mittelham
Gemischtes Doppel: Ruwen Filus/Han, Petrick Franziska/Solja

© Deutscher Tischtennis-Bund (DTTB)