Drittes Play-off-Finale: Déjà-vu für Ding Yaping

Wenn es am Samstagabend um 18 Uhr in Bingen zum alles entscheidenden dritten Play-off-Finale zwischen der TTG Bingen/Münster-Sarmsheim und dem SV DJK Kolbermoor kommt, dann hat Bingens Spitzenspielerin Ding Yaping ein Déjà-vu-Erlebnis.

Ding Yaping, TTG Bingen/Münster-Sarmsheim | Damen Tischtennis-Bundesliga © Holger Straede

Ding Yaping erlebte schon vor 25 Jahren ein ähnliches Play-Off-Finale (Foto: Holger Straede)

Denn vor 25 Jahren war sie in ihrer ersten Saison in der Damen-Bundesliga mit ihrem damaligen Klub TSG Dülmen schon einmal in einer sehr ähnlichen Situation. In der Spielzeit 1992/93 stand Ding mit Dülmen in den gerade erst eingeführten Play-off- Finals der Spvg. Steinhagen gegenüber, und auch hier gingen die ersten beiden Spiele unentschieden aus – damals 7:7. Es musste also ebenfalls ein entscheidendes drittes Match her, das unglaublich fast, aber wahr, erneut mit 7:7 endete. Im Gegensatz zum Jahr 2018 galt damals in diesem Fall die Regel, dass die in der Hauptrunde besser platzierte Mannschaft Meister wurde. Steinhagen in der Play-off-Besetzung Geng Ljuan, Nicole Struse, Cornelia Faltermeier, Jie Schöpp und Kinga Lohr hatte die Hauptrunde als Tabellenführer abgeschlossen und durfte feiern.

Vor 25 Jahren: 1.200 Fans beim dritten Play-off-Finale in Steinhagen

Die heiß umkämpften Play-off-Begegnungen fanden seinerzeit in Hexenkessel-Atmosphäre statt: Jede der drei Partien wurde vor mehr als 1.000 Zuschauern ausgetragen, beim entscheidenden Match waren 1.200 Fans in der Halle. „Es war eine Wahnsinnsstimmung damals, total laut, und nachher gab es von den Steinhagenern eine richtige Party“, erinnert sich Ding Yaping, die zweifache WM-Bronzemedaillengewinnerin für China, die mit 51 Jahren in dieser Saison noch die sechstbeste Bilanz der Liga für ihren Verein erspielt hat.

„Eigentlich hatten wir gar nicht damit gerechnet, dass es noch ein drittes Spiel geben würde“, so Ding. „Wir waren sehr ausgelaugt, alle Spiele wurden innerhalb von einer Woche ausgetragen, und es war wirklich anstrengend. Wir waren nachher natürlich deprimiert, dass ein erneutes Unentschieden uns am Ende nicht reichte.“

Liu Jia: „Alles ist Kopfsache“

Heute gibt es diese Regel nicht mehr. Sollte es am Samstag erneut zu einem Gleichstand zwischen Bingen und Kolbermoor kommen, werden die Sätze und die Bälle gezählt. Im unwahrscheinlichen Fall, dass auch diese gleich sind, käme es dem Reglement entsprechend zum Kuriosum: Dann würde der Meister der Damen-Bundesliga per Münzwurf durch Oberschiedsrichter Martin Förtig (Waldlaubersheim) ermittelt. Ding ärgert sich nicht ganz uneigennützig etwas, dass es heute andere Regeln gibt als vor 25 Jahren: „Ich finde es unfair, dass die Regel geändert wurde, sonst hätten wir diesmal die besseren Chancen“, sagt sie mit einem Augenzwinkern – schließlich hat ihre TTG Bingen/Münster-Sarmsheim die Hauptrunde auf Rang eins abgeschlossen.

Dem entscheidenden Spiel um die Meisterschaft 2017/18 am Samstag sieht sie mit Spannung entgegen: „Kein Team hat einen wirklichen Vorteil in diesem Spiel. Ich denke, die Tagesform wird am Ende entscheiden“, ist der Abwehr-Crack überzeugt. So sieht es auch ihre Konkurrentin. „Es gibt keinen Favoriten“, stellt Liu Jia, Kolbermoors Nummer eins, fest. „Meiner Meinung nach ist alles Kopfsache. Die Mannschaft mit dem starken Kopf gewinnt das Match.“

Keiner war je Meister, beide hatten jedoch bereits den Pokal in Händen

Übrigens: Weder Bingen/Münster-Sarmsheim noch Kolbermoor waren jemals Deutscher Mannschaftsmeister, jedoch hatten beide den begehrten Wanderpokal bereits in Besitz. Trau, schau, wem beim Paketdienst wollte der entthronte Vorjahressieger ttc berlin eastside nach der Halbfinalniederlage gegen Kolbermoor kein Risiko beim Versand eingehen, also stand die Trophäe seit dem Halbfinal-Duell in Bayern, wo sie bis nach dem zweiten Play-off-Endspiel verblieb. Am vergangenen Sonntagabend, als klar war, dass erst eine dritte Partie in Bingen die Entscheidung bringen würde, nahmen die Bingerinnen den Pokal mit nach Hause. Dort steht er nun bereit zur Siegerkür am kommenden Samstag.

Play-off-Finale

Samstag, 2. Juni, 18:00 Uhr
TTG Bingen/Münster-Sarmsheim – SV DJK Kolbermoor 
Spielort: Halle der Grundschule am Mäuseturm, Herterstraße 35, 55411 Bingen-Bingerbrück

Ticket-Informationen auf der Binger Homepage

Hinspiel am Freitag, 25. Mai
TTG Bingen/Münster-Sarmsheim – SV DJK Kolbermoor 5:5

Ding Yaping/Wan Yuan – Kristin Lang/Sabine Winter 1:3 (6,9,-9,5)
Hana Matelova/Marie Migot – Liu Jia/Katharina Michajlova 1:3 (-9,-12,10,-11)
Ding – Lang 3:2 (8,-10,11,-7,9)
Matelova – Liu 3:0 (10,11,8)
Wan – Svetlana Ganina 3:0 (14,6,9)
Migot – Winter 1:3 (8,-9,-8,-11)
Ding – Liu 1:3 (-6,8,-8,-8)
Matelova – Lang 3:0 (8,4,4)
Wan – Winter 3:2 (8,6,-6,-9,7)
Migot – Ganina 0:3 (-8,-5,-6)

Rückspiel am 27. Mai
SV DJK Kolbermoor – TTG Bingen/Münster-Sarmsheim 5:5

Liu Jia/Katharina Michajlova – Ding Yaping/Yuan Wan 3:0 (4,10,7)
Kristin Lang/Sabine Winter – Hana Matelova/Marie Migot 3:1 (10,-13,12,8)
Liu Jia – Hana Matelova 2:3 (14,-10,-6,11,-7)
Kristin Lang – Ding Yaping 1:3 (9,-7,-9,-6) 
Sabine Winter – Marie Migot 0:3 (-6,-5,-9)
Svetlana Ganina – Yuan Wan 2:3 (-10,-8,7,9,-10)
Liu – Ding 3:2 (7,-12,-3,9,7)
Lang – Matelova 2:3 (9,10,-6,-2,-8)
Winter – Wan 3:1 (5,9,-12,0)
Ganina – Migot 3:1 (5,6,-9,7)

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