Petrissa Solja: Olympia ist das große Ziel

Petrissa Solja wurde am vergangenen Wochenende in Chemnitz erstmals Deutsche Einzelmeisterin. Ihre Klasse will die 21-jährige Nationalspielerin vor eigenem Publikum auch bei den GAC Group German Open in Bremen vom 18.-22. März in der ÖVB-Arena demonstrieren.

Petrissa Solja | Damen Tischtennis-Bundesliga

Petrissa Solja hat das Ziel Rio 2016 vor Augen (Foto: Erik Thomas)

Einmal im Monat hat Petrissa Solja zwei Streifen auf den Schultern und wird mit Obergefreite angesprochen. Den Tag verbringt sie dann nicht in der Trainingshalle, sondern auf dem Schießplatz oder im Seminarraum. „Ich bin jetzt Soldatin auf Zeit. Erst einmal bis 2016“, sagt Solja. Die Sportfördergruppe der Bundeswehr sichert Deutschlands größtem Tischtennis-Talent ihre Karriere. Solja kann sich komplett auf den Sport konzentrieren, steckt nur an einem Tag im Monat in Uniform.

Solja bastelt schon eifrig an der Karriere nach der Karriere. Ein Studium soll es bald sein, vielleicht sogar über die Bundeswehr. „Mein Traum war immer Medizin. Aber das geht neben dem Sport nicht“, erklärt sie. Also wird es in die kaufmännische Richtung gehen, BWL oder VWL. Schon ihr Abitur hat sie mit kaufmännischer Spezialisierung gebaut.

Väterliche Spielanalyse per Telefon

Die meiste Zeit verbringt die Nationalspielerin – jüngster Spross einer tischtennisverrückten Familie – derzeit in Düsseldorf. Sie hat eine eigene Wohnung, gerade einmal 700 Meter vom Deutschen Tischtennis-Zentrum entfernt, wo sie mit ihren Nationalteamkolleginnen und ausgewählten Sparringspartnern trainiert. „Das Stück kann ich laufen. Das ist total praktisch“, sagt sie. In die Trainingsgruppe von Bundestrainerin Jie Schöpp ist sie voll integriert. Auf Jie Schöpp hält Solja große Stücke. „Sie war selbst auf sehr hohem Level aktiv und kennt viele Situationen aus der eigenen Erfahrung“, sagt Solja.

Natürlich ist der Kontakt zu Papa Pavel immer noch intensiv. Zwar lässt der ehrgeizige Vater die Trainingseinheiten in Düsseldorf mittlerweile aus, bei Turnieren ist er oft dabei und betreute sie, wie unlängst bei den Deutschen Meisterschaften in Chemnitz. Wenn er nicht präsent ist, wird via Telefon über das Spiel diskutiert.

Mit dem Wohnmobil in den Camping-Urlaub

In der Tischtennisszene bekannt ist das Wohnmobil von Papa Pavel, mit dem er seinen Töchtern hinterher reist. Das hat Petrissa offenbar inspiriert, und sie hat sich ihr eigenes Wohnmobil zugelegt. Damit geht’s an lauen Sommerabenden zum Entspannen an den See. „Oder mal in den Camping-Urlaub“, erzählt sie: „Das habe ich schon immer sehr gern gemacht.“

Petrissa Solja ist so etwas wie das Juwel der Familie. Sie war noch in der Pubertät, als sie schon tief in der Schublade „Europas größte Tischtennis-Hoffnung“ steckte. „Als ich das immer gehört und gelesen habe, habe ich mich schon gefreut. Und das auch immer als Motivation gesehen, mal wirklich so gut zu werden“, sagt Solja. Bisher hat sie eindrucksvoll geliefert: Team-Europameisterin 2014 und 2013, Europameisterin im Doppel 2013, Deutsche Meisterin im Doppel 2015 und 2013 (stets mit Sabine Winter), WM-Dritte bei den Mädchen 2012 und seit dem vergangenen Wochenende auch erstmals Deutsche Einzelmeisterin. „Dieser Titel bedeutet mir sehr viel. Das schaffen nicht so viele Spielerinnen, und mir ist es nun bereits mit 20 Jahren gelungen“, sagt die Nationalspielerin, die am Mittwoch 21 wurde, voller Stolz.

Die nächsten Ziele hat sich die Weltranglisten-45. schon gesteckt. In die Top 20 der Welt soll es gehen und irgendwie soll das Ticket für die Sommerspiele in Rio her. „Das wird sehr schwer. Aber das muss doch der Traum von jedem Sportler sein, einmal bei Olympia dabei zu sein“, erklärt sie. Reicht es für Rio noch nicht, wird Solja mindestens noch zwei weitere Chancen in ihrer Karriere bekommen.

Quelle: DTTB/Thomas Bachmann